Energie-Dossiers
Dossier (Testversion): Internationale Klimaverhandlungen
Autor: Alena Müller
Seit 18 Jahren versuchen die Staaten der Erde, das Klima zu schützen. Jährlich finden Klimaschutzverhandlungen statt, die verbindliche Vereinbarungen hervorbringen sollen.
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E-Mobility ist die Mobilität der Zukunft. Aber wann kommt sie und welche Rahmenbedingungen braucht sie?
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Wie der Klimaschutz am günstigsten zu erreichen ist.
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Autor: Alena Müller
Entwicklung und Stand in Forschung, Technologie und Politik; Interviews, Übersichten und Themen-Links
[mehr...]Dossier (Testversion): Energieeffizienz
Wie der Klimaschutz am günstigsten zu erreichen ist.
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Von den rund 18 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland entsprechen nur rund 13 Prozent dem Stand der Technik. Trotz steigender Energiepreise ist die Bereitschaft zur Modernisierung begrenzt. Worin liegt das Problem? Antworten vom Präsidenten des Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) Klaus Jesse und seinem Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke.
Klaus Jesse: Das Durchschnittsalter der Heizungsanlagen in Deutschland ist in den letzten Jahren gestiegen und liegt bei Ölheizungen bei 25 Jahren, bei Gasheizungen bei 22 Jahren. Entsprechend ineffizient sind diese Geräte. Stellen Sie sich vor, wie Emissionen und Spritverbrauch aussähen, wenn die Fahrzeugflotte von vor 25 Jahren das Straßenbild prägen würde. Das ist unvorstellbar.
Der Impuls zur Investition geht oft von einem Servicefall aus oder ist in deutlich steigenden Energiepreisen begründet. 2008 kletterte der Ölpreis auf 150 Dollar je Barrel und der Heizungsmarkt wuchs um zehn Prozent. 2009 war der Energiepreis immer noch hoch, aber nachdem ein gewisser Rückgang eingetreten war, gingen die Investitionen in komplexere, effizientere Systeme zurück. Wenn die Energiepreise jedoch weiter steigen – und das werden sie mit Sicherheit –, werden viele Hausbesitzer nur durch Investitionen in eine energetische Modernisierung ihre Energiekosten in Zukunft begrenzen können. Der Gedanke, autark zu sein, spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Eine solarthermische Anlage zum Beispiel hilft natürlich, sich ein Stück weit unabhängiger zu machen.
Wie kann die Politik das Modernisierungsverhalten beeinflussen?
Jesse: Die Politik versucht das durch Marktanreizprogramme. Wir haben es hier aber permanent mit Stop-and-go-Entscheidungen zu tun. So lässt sich keine konstante und nachhaltige Marktentwicklung schaffen.
Andreas Lücke: Am 3. Mai wurde der Förderstopp des Marktanreizprogramms (MAP) offiziell vom Bundesumweltministerium bekannt gegeben. Wir kämpfen aber weiter dafür, dass dieser kurzfristig aufgehoben wird. Der Koalitionsvertrag enthält eindeutige Zusagen, die relevanten KfW-Programme und vor allem das Marktanreizprogramm fortzuführen. Gegenwärtig entmachtet eine Handvoll Haushaltspolitiker die bisher starke Phalanx der Umwelt- und Wirtschaftspolitiker, die sich für den Aufbau der Erneuerbaren Energien im Wärmemarkt konsequent einsetzen. Wir befürchten einen Fördergau, wenn sich jene Haushaltspolitiker durchsetzen, die die Mittel für das MAP und das KfW-Programm sperren wollen.
Wenn die Energiepreise stetig steigen, die Situation der Branche also sowieso in die Hände spielt, wozu brauchen Sie dann noch die Hilfe der Politik?
Jesse: Sie haben Recht, die Energiepreise sind ein Treiber unseres Geschäfts. Aber da kommen wir ganz schnell zu einer sozialpolitischen Komponente. Es gab in der Vergangenheit auch die Diskussion um Heizkostenzuschüsse, weil sich viele Menschen die Gas- oder Ölrechnung nicht mehr leisten konnten. Deswegen kann sich die Politik nicht allein auf steigende Energiepreise berufen. Darüber hinaus ist das politische Ziel, den regenerativen Wärmemarkt zu fördern, nur durch höhere Investitionen durch den Hausbesitzer erreichbar, die eine gewisse Förderung bedingen.
Welchen Einfluss hat die Klimadiskussion auf den Modernisierungswillen der Hausbesitzer?
Jesse: Die Diskussion um den Klimaschutz hilft, da sie auf das schlechte Gewissen abzielt. Dies führt aber nicht zu einer Kaufentscheidung. Niemand investiert 20.000 oder 25.000 Euro, um den CO2-Ausstoß seines Hauses zu reduzieren. Hausbesitzer wollen Geld sparen bei den Energiekosten, eine zukunftssichere Investition tätigen und den Wert ihres Hauses steigern.
Rund fünfzehn Prozent der gesamten CO2-Emissionen werden von den privaten Haushalten verursacht. Die Klimaschutzziele der Bundesregierung sehen vor, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um vierzig Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Welche Rolle spielt die veraltete Heizanlagentechnik dabei?
Lücke: Die aktuelle Modernisierungsrate von drei Prozent – das sind 630.000 neue Anlagen im Jahr, davon 90 Prozent im Bestand – reicht nicht aus, um die CO2-Minderungsziele der Bundesregierung zu erreichen. Eine Verdopplung des Modernisierungstempos wäre erforderlich.
Jesse: Eine Verdopplung erreichen wir aber mit den bisherigen Maßnahmen nicht. Wir brauchen eine einfache Förderung. Und das ist im Prinzip die Steuerabschreibung. Wir hatten schon einmal eine Modernisierungsquote von sechs Prozent: Damals gab es einen Paragrafen 82a (im Einkommenssteuer-Gesetz von 1977 bis 1996, Anm. d. Red.), nach dem der private Hausbesitzer seine Investition über zehn Jahre abschreiben und damit steuerlich geltend machen konnte.
Lücke: Das Gros der Modernisierer ist zwischen 35 und 58 Jahren alt, hat einen hohen Bildungsstand und ein vernünftiges Einkommen, vielleicht auch ein bisschen Vermögen. Diese Klientel reagiert am besten auf eine Steuerabschreibung. Wenig hätten natürlich diejenigen davon, die zwei bis drei Kinder haben. Die Steuernachteile könnte man dann mit einer Zuschussvariante ausgleichen, genauso wie die Rentner, die natürlich auch potenziell Modernisierer sind.
Beschränkt sich Ihre Forderung an das von der Bundesregierung zum Herbst angekündigte neue Energiekonzept auf die steuerliche Absetzbarkeit der Investitionen?
Lücke: Wir setzen uns für eine Deregulierung und Vereinfachung des Ordnungsrechts ein sowie für eine intelligente Politik der Anreize. Wenn man sich das Marktanreizprogramm anschaut, dann gibt es dort einen Multiplikatoreffekt je eingesetztem Fördereuro. Das bedeutet, ein Euro aus Steuergeldern resultiert in acht Euro an Investitionen.
Wir setzen uns für eine Deregulierung und Vereinfachung des Ordnungsrechts ein sowie für eine intelligente Politik der Anreize. Wir wollen darüber hinaus eine technologieoffene Regelung. Das heißt, es wird vorgeschrieben, dass ein Neubau siebzig Kilowattstunden je Quadratmeter im Jahr verbrauchen darf. Und wenn eine umfassende Sanierung im Bestand durchgeführt wird, muss dieser Wert auch erreicht werden. Mehr nicht. Wie das gemacht wird, bleibt dem Hausbesitzer überlassen. Er kann dämmen oder eine moderne Anlagetechnik einbauen. Je nachdem, wie scharf die Anforderungen sind, wird er womöglich beides tun müssen. Praktiziert wird das bereits in Holland – da funktioniert es.
Die Unsicherheit der Verbraucher ist sehr groß. Sie wissen nicht, ob sie auf erneuerbare Energien, auf Gas, Öl oder Erdwärme setzen sollen. Oder ist es vielleicht besser, das Haus neu dämmen zu lassen, um die Energiekosten zu senken?
Lücke: Es kann durchaus sinnvoll sein, erst zu dämmen – vor allem, wenn die Fassade desolat ist. Aber in den meisten Fällen ist es wirtschaftlicher, den Kesseltausch vorzuziehen und später zu dämmen.
Jesse: Manche Techniken funktionieren auch nur, wenn das Haus gut gedämmt ist. Uns ist überhaupt nicht damit gedient, wenn zum Beispiel Wärmepumpen in schlecht gedämmten Altbauten installiert werden und dann nur einen geringen Wirkungsgrad erreichen. Das haben wir schon mal in den Siebzigerjahren erlebt. Damals ließen sich viele Hausbesitzer eine Wärmepumpe einbauen und waren schließlich unzufrieden, weil ihre Stromrechnung keineswegs auf eine effiziente oder effektive Anlagetechnik hindeutete. Eine Wärmepumpe ist nur in den richtigen Gebäuden effizient.
Wie hoch sind die Einsparpotenziale bei einer Modernisierung der Anlagentechnik?
Jesse: Das ist von jedem Einzelfall abhängig: Bei einem dreißig Jahre alten Gerät sind alleine durch den Austausch gegen einen Brennwertkessel Einsparungen von zwanzig bis vierzig Prozent möglich. Wir haben viele Beispiele, wo Hausbesitzer nur durch den Austausch des Wärmeerzeugers ihre Öl- oder Gasrechnung halbiert haben.
Auf der einen Seite beklagt Ihre Branche einen Investitionsstau, auf der anderen Seite gibt es gerade bei den neuen Technologien Mikro-KWK und Brennstoffzelle einen Innovationsstau. Sollten Verbraucher nicht abwarten, was sich letztlich durchsetzt?
Jesse: Das Grundproblem sind nicht fehlende Innovationen, sondern die Marktdurchdringung mit moderner, effizienter Technik. Dabei spielen natürlich auch die Kosten für eine solche Investition eine Rolle. Bei den modernen, komplexen Systemen liegen sie im Rahmen eines Kleinwagens. Unsere Industrie muss aber technische Lösungen für jeden Geldbeutel bereithalten. Auch in Zukunft müssen wir Technologien anbieten, die zwischen 5.000 und 10.000 Euro liegen. Daneben wird es hoch effiziente Systeme im Bereich von 20.000 Euro geben.
Die Hausbesitzer müssen zudem wissen, dass sie sich nicht die Zukunft verbauen, wenn sie heute zum Beispiel in eine moderne Brennwertanlage investieren. Denn auch die Strom erzeugende Heizung wird in Zukunft immer modular in eine bestehende Heizungsanlage eingebunden werden können.
Wird sich Mikro-KWK und die Brennstoffzelle für Einfamilienhäuser durchsetzen?
Jesse: Mikro-KWK mit drei bis hin zu zwanzig Kilowatt sind bereits marktfähig. Die Ein-Kilowatt-Lösungen, die für private Hausbesitzer interessant werden, sind noch in der Feldtestphase. Wir gehen davon aus, dass diese Erprobungsphase in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen sein wird. Die Brennstoffzelle in diesem Leistungsbereich ist allerdings noch nicht marktreif.
Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Kampagne der Volkswagen AG mit dem Energieversorger LichtBlick für das „innovative ZuhauseKraftwerk“ ein?
Jesse: Das Produkt hat eine elektrische Leistung von 20 Kilowatt und eine Wärmeleistung von 34 Kilowatt. Es ist damit für Einfamilienhäuser nicht der richtige Anwendungsbereich und wird eher im kleingewerblichen Bereich Anwendung finden.
Beim Autokauf interessiert letztlich, was der Wagen auf hundert Kilometern verbraucht. Auf Ihre Branche übertragen heißt das: Gibt es eine Drei-Liter-Heizung?
Lücke: Die Drei-Liter-Heizung ist Stand der Technik. Ein Brennwertkessel nutzt die fossilen Energieträger heute zu 98 Prozent aus, das heißt zwei Prozent sind Verluste. Wenn also dieser Brennwertkessel gegen einen Standardkessel mit einem Wirkungsgrad von etwa sechzig bis siebzig Prozent ausgetauscht wird, ergeben sich dreißig Prozent Einsparung. In Kombination mit einer solaren Heizungsunterstützung sind weitere zwanzig Prozent möglich.
Welchen Einfluss hat die Energieeinsparverordnung(EnEV) auf den Wärmemarkt?
Lücke: Anders als im Neubau hat die EnEV im Bestand keine Relevanz, denn es gibt keine Nachweispflicht und keine Kontrolle für vorgeschriebene Maßnahmen – wie zum Beispiel die Vorgabe, dass über 30 Jahre alte Heizkessel ausgetauscht werden müssen.
Jesse: Unsere Erfahrung zeigt, dass Ordnungsrecht im Wohnbestand eher zu Zurückhaltung führt als zu wirklicher Marktbelebung. Wir sehen das am Beispiel der Energiesparlampe. Als die Energiesparlampe vorgeschrieben wurde, kauften die Leute die Regale mit Glühbirnen leer – und haben jetzt wahrscheinlich noch Vorräte für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu Hause.
Womit, glauben Sie, wird in Zukunft in Deutschland geheizt werden?
Jesse: Bis mindestens 2040 wird in Deutschland noch zu fünfzig Prozent mit Öl und Gas geheizt werden. Denn siebzig Prozent aller neuen Wärmeerzeuger sind heute noch mit Gas betrieben, fünfzehn Prozent mit Öl, acht Prozent sind Wärmepumpen. Dazu kommt Solarthermie. Die Gasverbräuche werden in den nächsten zehn, zwanzig Jahren aber signifikant abnehmen – durch effizientere Technologien, durch den vermehrten Einsatz von Solaranlagen und durch demografische Veränderungen. Biomasse und Wärmepumpe werden weiter zunehmen.
Natürlich arbeiten auch die Öl- und Gasindustrie daran, ihre jeweiligen Energieträger grüner zu machen. Bio-Erdgas ist ein großes Thema, und je nach Entwicklung der Importpreise wird es auch wirtschaftlich werden. Dann wird zwar immer noch Erdgas verbrannt, aber das ist regenerativ erzeugt.
Artikel:
Global
Notes:
Energie effizienter zu nutzen ist der kostengünstigste Klimaschutz - darin stimmt die Fachwelt überein. Deshalb widmet sich dieses Dossier dem Thema Energiesparen. Es fasst die wichtigsten Text- und Videobeiträge aus ENERGLOBE.DE zusammen und bietet nützliche Links zu weiteren Informationen.
Der Artikel "Deckel auf die Sonne" zeigt, dass Effizienzmaßnahmen im Vergleich zu Ökoenergie besser abschneiden, wenn es um die Kosten der Vermeidung von Kohlendioxid geht. Die größten Einsparpotentiale bietet der Gebäudebestand. ENERGLOBE.DE hat die Debatte um Sanierungskosten und steigende Mieten nachgezeichnet, nachzulesen etwa in "Mieterhöhung für das Kima" und zu sehen in dem Videoclip "Panik machen". Weitere Artikel liefern zahlreiche Servicetipps. Zum Beispiel erklärt "Hilfe beim Energiesparen", wie Hauseigentümer an Fördermittel gelangen.
Artikel:
Artikel:
Soll & Haben
Links:
Zu den Fachbeiträgen des ersten Effizienzkongresses der Dena am 12. Oktober 2010
"Forschung für Energieeffizienz" Publikation des Bundeswirtschaftsministeriums, Stand September 2010
„Machen Sie dicht: Energiesparen in Gebäuden" Broschüre der Deutschen Energieagentur, zeigt die wichtigsten Möglichkeiten auf, wie in Wohngebäuden mit wenig Aufwand beachtliche Heizkosteneinsparungen erreicht werden können.
Umfangreiche Infos und Hinweise zum Thema energieeffizientes Bauen und Sanieren für Mieter und Vermieter, Handwerk und Industrie bietet die Dena auch auf der Internetseite www.zukunft-haus.info
www.thema-energie.de ist ein Wissensportal der Dena mit allen relevanten Infos für Bauherren, Wohneigentümer oder Verbraucher, einer Beraterdatenbank und einer Fördermitteldatenbank.
BINE, Internet-Suchdienst, Fördermöglichkeiten von EU, Bund, Ländern, Gemeinden und Energieversorgern
Themenseite „Bauen, Wohnen, Energie sparen“ der staatlichen Förderbank KfW, dokumentiert die Förderprogramme für Privatpersonen & Vermieter
Welche Förderstandards bei der KfW ab dem 1. September gültig sind.
Artikel:
Der weltweite CO2-Ausstoss sowie die Emission schädlicher Treibhausgase wirken sich maßgeblich auf die Energiewirtschaft aus. Felix Matthes erklärt wie Volkswirtschaften schon heute mit einer großen Herausforderung von morgen umgehen können.
Video:
http://www.youtube.com/watch?v=k50iM90TwjYVideo:
http://www.youtube.com/watch?v=ydwPkHRA8YMVideo:
http://www.youtube.com/watch?v=oYijjKDwCUgZitate:
- „Wenn Sie mich fragen, ob die Kaltmiete um 20 bis 30 Prozent steigen darf, sage ich ja – wenn in gleichem Umfang die Heizkosten sinken“
- Quelle: Dena-Chef Stephan Kohler auf dem ersten Dena-Effizienzkongress am 12. Oktober in Berlin
- „Hohe Investitionen auf die Miete zu strecken ist eine Diskussion, die in Deutschland sehr schwer zu führen ist“
- Quelle: Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft, am 12. Oktober auf dem Dena-Effizienzkongress in Berlin
- „Es wird Zeit, dass wir über realistische Modernisierungsziele diskutieren. Eine Verdopplung der Sanierungsrate wird nicht zustande kommen.“
- Quelle: Andreas Stücke, Generalsekretär, Immobilienbesitzer-Verband Haus & Grund, In: „Mieterhöhung für das Klima“ vom 7. Oktober 2010
- „Die Zahlen, die in die Landschaft gesetzt worden sind, dass die Gebäudesanierung 1000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche kostet, sind völlig aus der Luft gegriffen. Wir haben Kosten zwischen 80 und 230 Euro ermittelt.“
- Quelle: Dena-Chef Stephan Kohler im Video-Interview mit energlobe.de, In: Panik machen, vom 23. September 2010
- „Die Kosten der Vermeidung einer Tonne CO2 liegen im Gebäudebereich bei etwa 20 Euro, die Werte der Photovoltaik liegen bei mehreren hundert Euro je Tonne“
- Quelle: Holger Krawinkel, Energieexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, In: "Energieeffizienz ist kosteneffizient" vom 9. September 2010
- „Die Energieeffizienz zu erhöhen ist ein wesentlich komplexeres Geschäft als Schadstoffe aus der Luft zu entfernen. Immer, wenn die Menschheit lernt, effizienter zu werden, dann wird das sofort aufgefressen von zusätzlichem Konsum. Das nennt man den Rebound-Effekt.“
- Quelle: Ernst Ulrich von Weizsäcker im Interview mit energlobe.de, In: Wandel bringt Gewinn, vom 22. Juli 2010
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Bald auf energlobe.de ...
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US-Präsident Barack Obama hat sich ein schwieriges Unterfangen vorgenommen. Er will angesichts der Ölpest nach Monaten endlich sein Klima- und Energiegesetz voranbringen: „Die Zeit für diese Nation ist gekommen, sich ein für alle mal eine Zukunft sauberer Energien voll und ganz zu eigen zu machen.“
Doch damit dürfte sich Obama schwer tun. Die Chancen für das Gesetz seien sogar gesunken, sagt die USA-Expertin Stormy-Annika Mildner: „Kurzfristig hat sich die Lage durch das Unglück deutlich verkompliziert.“ Die Forscherin von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin verfolgt das politische Geschehen derzeit in Washington vor Ort.
Obama in der Zwickmühle
Nach Mildners Beobachtung ist der Präsident durch die Ölpest mit seinem grünen Energiegesetz in die Zwickmühle geraten. Hintergrund sind die Kräfteverhältnisse im amerikanischen Senat: Für eine Mehrheit braucht Obama alle Stimmen seiner demokratischen Senatoren plus drei weitere.
Die Stimmen zweier parteiloser Senatoren hat der Präsident schon. Doch er muss zusätzlich mindestens einen Republikaner von seinem Energiegesetz überzeugen – vorausgesetzt, alle Demokraten stimmen zu.
Vom Mehrheitsbringer zum Zankapfel
Dafür habe Obama Zugeständnisse machen müssen, erklärt Mildner: „Mit der Freigabe ausgewählter Gebiete im Atlantik, im Golf von Mexiko und an der Nordküste Alaskas für Tiefseebohrungen wollte Obama im Senat republikanische Stimmen für sein anhängiges Klimagesetz gewinnen.“ Die so genannte Offshore-Förderung sollte zum Erfolg verhelfen, soweit das Kalkül.
Dann explodierte die Bohrinsel Deepwater Horizon des Ölkonzerns BP. „Mittlerweile hat sich unter Demokraten eine deutliche Opposition gegen eine Ausdehnung der Offshore-Förderung gebildet“, berichtet Mildner. „Erlaubt Obama Tiefseebohrungen weiter, verliert er die Stimmen der demokratischen Senatoren, deren Bundesstaaten von der Ölpest betroffen sind.“ Verbiete er sie, würden ihm die Republikaner abspringen, erklärt Mildner.
Hoher Ölpreis als Bedrohung für USA
Auch wenn die Lage kurzfristig schwieriger geworden ist, sieht Mildner die USA bereits Mitten in der energiepolitischen Wende: Hin zu Gas und Erneuerbaren Energien. Darin stimmt sie mit dem USA-Experten Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin überein.
„Es geht dabei allerdings nicht um Klimaschutz sondern um wirtschaftliche Sicherheit“, erklärt Braml, der bereits als legislativer Berater im US-Abgeordnetenhaus tätig war. Ein hoher Ölpreis könne Amerika massiv bedrohen – wirtschaftlich stehe das Land ohnehin schon am Abgrund.
Abhängigkeit von Nahost reduzieren
Die USA decken derzeit fast 40 Prozent ihres Energiekonsums nach Angaben der US-Behörde für Energiestatistik (EIA) mit Öl. Dreh- und Angelpunkt ist der Transportsektor: Auf ihn entfallen 70 Prozent des Öls. „Das lässt sich nicht von heute auf morgen ändern“, sagt Braml. Aus eigener Förderung stammt nicht einmal ein Drittel des verbrauchten Öls – davon wiederum kommt ein Drittel aus der Tiefsee.
Die USA wollen laut Braml unabhängiger vom Nahen Osten werden. Deshalb engagierten sich die USA etwa in Afrika. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es dort große Ölvorkommen gibt. Instabile politische Verhältnisse erschweren aber die Förderung. Ein Drittel ihres Öls beziehen die Vereinigten Staaten bereits heute laut EIA aus den sicheren Nachbarländern Kanada und Mexiko.
Erneuerbare, Gas und Öl aus Afrika
Auch neue Öl- und Gasressourcen sind auf dem Vormarsch: Aus Kanada wird Öl aus Sand gewonnen und im eigenen Land Schiefergas gefördert – trotz umweltpolitischer Bedenken.
Die Energiewende macht sich auch auf Seiten nicht-fossiler Energie bemerkbar: Die USA gehören zu den großen Biosprit-Produzenten der Welt. Zudem soll die Produktionskapazität für elektrische Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge laut Weißem Haus auf 500.000 im Jahr erhöht werden.
Think Tank hofft weiter auf Klimagesetz
Trotz der aktuell schwierigen Lage bleibt in den USA die Hoffnung auf mehr Förderung der Regenerativen bestehen. Mark Muro vom Washingtoner Think Tank Brookings sieht noch eine Chance für das Energiegesetz Obamas: „Die Katastrophe hat weiter unterstrichen, wie dringend wir unser Energiesystem dekarbonisieren und Energiealternativen entwickeln müssen.“
Es sei schon zum Zeitpunkt des Unglücks klar gewesen, dass der vorgeschlagene „große Handel“ Tiefseebohrungen gegen Klimagesetz-Zustimmung nicht wirklich Stimmen der Republikaner einbringen würde. Also dürften die Chancen für die Note nicht sehr viel schlechter als vorher stehen, so die Schlussfolgerung des Energieexperten.
Eine Idee, wie sich beide Interessen – Erneuerbare und Öl – verbinden ließen, hat Muro auch schon: „Wenn das Klimagesetz weiterkommt, sollten Ölbohrlizenzen eng mit der Forderung verbunden sein, dass jeglicher Mieterlös, der mit Tiefseebohrungen an der Landesküste verbunden ist, direkt in Energieeffizienz und grüne Energie-Innovationen investiert wird.“
Weitere Informationen:
Mildner: „Brennpunkt Öl“ , über den Zusammenhang zwischen Klimapolitik und Öl in den USA www.swp.de
Muro: „Offshore Drilling: Room for Compromise in Pursuit of Clean Energy?“, Blogbeitrag zur Verbindung von Tiefseebohrungen und Erneuerbaren www.brookings.edu
Braml: „Amerikas alternativer Antrieb - Erneuerbare Energieaußenpolitik der USA“ über die Energiewende der USA www.dgap.org
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Lateinisch bedeutet Iter 'der Weg'. Der ist lang beim internationalen Großprojekt zur Fusionsforschung, das diesen Namen trägt, als Abkürzung für: International Thermonuclear Experimental Reactor. Der Reaktor soll 500 Megawatt Fusionsleistung bieten, so viel wie ein kleines Kraftwerk. Allerdings schießen die Kosten weiter in die Höhe – nach neuesten Schätzungen auf rund 15 Milliarden Euro. Und dennoch: Für viele Energiepolitiker in Europa ist der Iter ein wichtiger Hoffnungsträger.
Der Kern der Anlage ist 30 Meter hoch, hat einen Durchmesser von über 20 Metern und fasst 830 Kubikmeter Plasma, das entspricht der Füllmenge eines Schwimmbads. Der Reaktor simuliert das Feuer der Sonne unter irdischen Bedingungen: Energie wird durch die Verschmelzung von leichten Atomkernen gewonnen. Von allen möglichen Verschmelzungen, die für ein Fusionskraftwerk in Frage kommen, liefert die Reaktion zwischen den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium die größte Energieausbeute. Sie verschmelzen kurzzeitig zu einem Zwischenkern und es werden Helium und energiereiche Neutronen freigesetzt. Ein Gramm des Brennstoffs würde im Kraftwerk die Leistung von 90 Megawattstunden erzeugen, das entspricht der Verbrennungswärme von elf Tonnen Kohle oder acht Tonnen Erdöl.
100 Millionen Grad
So wie ein Feuer erst entfacht werden muss, benötigt auch die Fusion bestimmte Zündbedingungen: Dafür wird im Labor Gas auf eine Temperatur von 100 Millionen Grad erhitzt; bereits ab hunderttausend Grad entsteht Plasma, ein dünnes, ionisiertes Gas. Im Kraftwerk wird das heiße Brennstoffgemisch dann in einem Magnetfeld eingeschlossen, damit das Plasma nicht an den Wänden wieder abkühlt. „Die Energiespeicherung des Plasmas ist derzeit eine unserer größten Herausforderungen“, erklärt Professor Günther Hasinger, wissenschaftlicher Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik.
Energie nach dem Prinzip der Sonne kontrolliert freizusetzen, gelang erstmals 1983 mit dem europäischen Großprojekt Joint European Torus (Jet) in Culham, England. 14 Jahre später konnte bereits eine Leistung von 16 Megawatt erzeugt werden, das ist allerdings nur die Hälfte der zur Erwärmung des Plasmas eingesetzten Energie. Für einen Netto-Energiegewinn ist die Anlage mit 80 Kubikmetern Plasma zu klein.
Wer ist an Iter beteiligt?
Das Defizit in einen Energieüberschuss zu verwandeln, ist Aufgabe des in Cadarache in Südfrankreich gebauten Iter. Bereits 1985 wurde das Unterfangen als Symbol für ein Ende des Kalten Krieges von den Nationen Russland, Frankreich und den USA eingeleitet. Heute sind die komplette EU, Japan, China, Südkorea, Russland und Indien sowie die USA – nach zwischenzeitlichem Ausstieg in den Jahren 1999 bis 2003 – im Forschungsbündnis vertreten. Der Iter sei ursprünglich doppelt so groß geplant gewesen, wurde den US-Amerikanern jedoch zu teuer, rekapituliert Hasinger: „Das Projekt wurde daraufhin verkleinert, sodass sich die Kosten halbierten und die Amerikaner wieder an Bord kamen.“
Nach zehn Jahren Bauzeit wird nun für 2019 das erste Plasma erwartet. Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker werden dann weitere 20 Jahre an der Anlage arbeiten und forschen. Der Iter soll zeigen, dass ein Energie lieferndes Fusionsfeuer möglich ist. Strom wird allerdings erst das Folgeprojekt liefern, das frühestens ab 2036 gebaut werden soll.
Tokamak versus Stellarator
Die verbreitetsten Anlagen sind vom russischen Tokamak-Typ, dazu gehören auch Jet und Iter. In beiden wird das Plasma durch ein Magnetfeld in Form eines Donuts eingeschlossen. Die alternative US-Entwicklung heißt Stellarator. Dessen Magnetfeld wird ausschließlich durch äußere Spulen erzeugt und ist dadurch aufwendiger. In Greifswald steht die größte Forschungsanlage dieses Typs: Der Wendelstein 7-X soll 2014 fertiggestellt sein. Der Stellarator ist vom Aufbau her wesentlich komplexer und konnte ohne leistungsfähige PCs lange nicht weiterentwickelt werden: „Deshalb liegt er bei der Entwicklung im Vergleich zu Tokamaks etwa 30 Jahre zurück“, erläutert Professor Mathias Noe, Magnetforscher am Karlsruher Institut für Technologie. Es sei dennoch denkbar, dass Stellaratoren beim Nachfolgereaktor eingesetzt werden, denn diese würden im Betrieb deutliche Vorteile bieten: „Deshalb ist die parallele Entwicklung durchaus sinnvoll“, so Noe weiter.
Wie bei der Kernspaltung stehen beim Fusionsreaktor Sicherheitsüberlegungen im Fokus: Der Neutronenfluss aus dem Plasma aktiviert die Strukturmaterialien der ersten Innenwand. Etwa 80 Prozent des radioaktiven Materials klingt nach weniger als 100 Jahren unter die Freigrenze ab, der Rest muss allerdings einige Jahrhunderte gelagert werden. „An einem langfristigen Zwischenlager kommen Betreiber der Technologie deshalb nicht vorbei“, erklärt der Energieexperte der Deutschen Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz. Damit wären auch weiterhin Zwischenlager nötig, denn der vergleichsweise schwache radioaktive Abfall der Kernspaltung kann nicht in einer Art Rückwärtsgang für die Fusion verwendet werden.
Die Fusionskonstante
Selbst die Verwirklichung des globalen Fusionsprojekts scheint noch aufwendiger und teurer als erwartet: Die Kosten des Iter werden nach neuen Berechnungen zweieinhalb Mal höher ausfallen als vorher kalkuliert. „Das ist doch bei vielen Großprojekten so“, kommentiert EU-Kommissar Günther Oettinger lapidar. Er befürwortet, dass Berlin eine Milliarde mehr ausgibt, um „die europäische Federführung“ bei dem Unterfangen zu behalten. Die EU trägt immerhin 45 Prozent der Kosten, während die anderen sechs Partner mit je etwa neun Prozent beteiligt sind.
Eine Studie der niederländischen Forschungseinrichtung ECN zur Entwicklung des europäischen Energiemarktes ab 2050 zeigt, dass Fusion als neue, wenn auch kapitalintensive Technologie in den Markt eindringen kann – vorausgesetzt, der Ausstoß des Treibhausgas CO2 soll weiter deutlich reduziert werden. „Kommerzielle Fusionskraftwerke könnten dann bereits 20 bis 30 Prozent Strom liefern“, schätzt Hasinger, „also zu einer Zeit, in der der weltweite Strombedarf immer noch ansteigt und klimafreundliche Kraftwerke dringend gesucht sein werden.“ Die Probleme des Klimawandels sollte die Weltgemeinschaft aber vorher gelöst haben: „Damit kommt der Energieträger Kernfusion wahrscheinlich zu spät“, gibt DUH-Experte Rosenkranz zu bedenken. Augenzwinkernd verweist er auf die Tradition der sogenannten 'Fusionskonstante'. Seit den 1970er Jahren prophezeit die Wissenschaft der Kernfusion nämlich schon, dass sie in 40 Jahren marktreif sein könnte.
Weitere Informationen:
KIT-Programm Kernfusion
Homepage des Iter
Homepage des IPP