Wenig Gülle zum Einspeisen
Auf dem Biogasmarkt weht nur ein laues Lüftchen

Trotz hoher staatlicher Unterstützung gibt es in Deutschland bislang keinen Markt für Biogas. Der Mangel an bezahlbaren Rohstoffen verhindert den Durchbruch. Die Klimabilanz der Anlagen variiert sehr stark.
In der Gülle steckt ein Schatz. Laufend und unkontrolliert vergären auf Bauernhöfen, Mülldeponien und Kläranlagen organische Abfälle zu einem wässrigen Gemisch, das bis zu drei Vierteln aus einem kostbaren Rohstoff besteht: Methan. Vor allem Landwirte haben Biogas bereits als Energiequelle entdeckt. Sie strecken die Gülle mit Körnermais und nutzen das Methan in einem Motor zur Stromproduktion. Dem Klima kommt das zugute, denn unverbranntes Methan ist 21 Mal schädlicher als Kohlendioxid.
Regierung setzt auf KWK
Politiker träumen davon, das ganze Land mit Biogas zu versorgen. Durch das deutsche Leitungsnetz könnte es von vielen kleinen Anlagen zu einigen großen transportiert werden, die neben Strom auch Wärme produzieren können. Diese Kraft-Wärme-Koppplung (KWK) erhöht die Energieausbeute der und gilt daher als besonders effizient. Bis zum Jahr 2020 sollen nach Vorstellung der Bundesregierung sechs Milliarden Kubikmeter Biomethan jährlich eingespeist werden. Doch trotz staatlicher Subventionen und Steuererleichterungen in Milliardenhöhe weht auf dem Biogasmarkt bislang nur ein laues Lüftchen.
„Es gibt keinen Markt“
Zwar existieren hierzulande 4350 Biogasanlagen, doch nur 30 von ihnen speisen bereits ein. Auch die gehandelten Mengen sind gering. Lediglich 230 Millionen Kubikmeter wurden Mitte dieses Jahres eingespeist – das entspricht etwa drei Prozent der für das Jahr 2020 anvisierten Zielmarke. „Wir müssen feststellen, dass es keinen Markt gibt“, sagt Claudia Ernst, Verkaufsleiterin beim Leipziger Gasversorger VNG. Vor vier Wochen hatte das Unternehmen eine Internet-Pllattform für den Biogashandel initiert. Doch bislang kam laut Ernst noch kein einziger Geschäftsabschluss zustande.
Nawaros verteuern Produktion
Die Biogasproduktion ist eine große Herausforderung. Hohe Investitionen und Betriebskosten würden große KWK-Anlagen mit einer Kapazität von über 250 Kubikmeter pro Stunde begünstigen. Weil die Mengen an Kuhmist und Hausabfällen dazu nicht ausreichen, braucht es große Mengen an nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Roggen. Solche Energiepflanzen verteuern die Produktion aber um 100 Prozent und heben die Größenvorteile mehr oder weniger somit wieder auf. Die Wahl der richtigen Betriebsgröße wird zum Balanceakt. Außerdem muss Biogas vor der Einspeisung teuer aufbereitet werden, was den Wirkungsgrad reduziert. Für kleinere Anlagen ist das meist unrentabel. Folglich gibt es kaum Lieferanten und folglich Großabnehmer.
Wirtschaftlichkeit nicht absehbar
Das es überhaupt Biogasanlagen gibt, ist der starken politischen Unterstützung zu verdanken. Der Staat zahlt eine feste Grundvergütung von rund acht bis zwölf Cent pro Kilowattstunde je nach Anlagengröße- und Alter. Dazu kommen Boni, etwa wenn Nawaros beigemischt werden oder für KWK. Zum Vergleich: Die Erdgasproduktion kostet etwa fünf Cent. „Ob eine Anlage einzelwirtschaftlich sinnvoll betrieben werden kann, ist für die Zukunft nicht abzusehen“, heißt es in dem wichtigsten Gutachten zum Thema Biogas vom Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.
Klimabilanz der Anlagen variiert stark
Wichtigstes Kriterium, wonach sich die Förderung künftig richtet, dürfte die Klimabilanz der Biogasanlagen sein. Sie variiert sehr stark je nach Einsatzstoff. Bestimmte nachwachsende Rohstoffe haben deutlich höhere Emissionen zur Folge als andere und vor allem im Vergleich zur Gülle. Die Verbrennung der Bioenergieträger gilt als klimaneutral, weil nur soviel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie von den Pflanzen zu Lebzeiten aufgenommen. Doch ihr Anbau verursacht große Mengen Treibhausgase, vor allem durch Düngung oder Transport. Auch der Einsatz von Biomethan im Wärmemarkt wird kritisiert. Dies führe zu relativ geringen Emissionsminderungen, weil die verdrängten Gasturbinen hohe Wirkungsgrade aufweisen.
Potential im Kraftstoffmarkt
Eine deutlich wirkungsvolleres Nutzungspotential bietet nach Ansicht von Experten der Kraftstoffmarkt. Mehr als 75 Prozent des in Europa erzeugten Biomethans werden in Erdgasfahrzeugen eingesetzt. Spitzenreiter sind Schweden und die Schweiz. In Deutschland ist der Kraftstoffsektor für Biomethan derzeit noch ein Nischenmarkt. Sollten sich Erdgasfahrzeuge jedoch durchsetzen, könnte dies auch der Ökovariante zum Durchbruch verhelfen.
Weitere Informationen:
Infobroschüre „Markt, Technik und Akteure der Biogaseinspeisung in Deutschland und Europa" der Deutschen Energieagentur: www.dena.de