Kleiner Klimaretter ganz groß
Die Alge im Tank

Eine Schlagzeile hat die Zunft der Biologen in Aufruhr versetzt: Der durch die Entschlüsselung des Gencodes bekannt gewordene US-Wissenschaftler Craig Venter hat ein Bakterium mit künstlichem Erbgut geschaffen und somit erstmals künstliches Leben erzeugt. Dieser Durchbruch in der Forschung könnte auch zur Erzeugung von Biokraftstoffen aus Algen dienen und damit den CO2-Ausstoß von Kraftfahrtzeugen deutlich verringern.
Die EU Staats- und Regierungschefs einigten sich im Dezember 2008 auf eine Richtlinie über erneuerbare Energien, die bis Dezember 2010 in allen EU-Staaten umgesetzt werden muss. Darin ist auch das Ziel festgesetzt, die Beimischung von grünen Treibstoffen auf zehn Prozent zu erhöhen. Dabei wird zwischen der sogenannten ersten und der zweiten Generation von Biokraftstoffen unterschieden.
Zielkonflikt
Die erste Generation aus Energiepflanzen wie Mais oder Zuckerrohr ist verstärkt in die Kritik geraten, weil es einen Zielkonflikt zwischen der Energie- und Nahrungsmittelproduktion gibt. Die Verknappung der Anbauflächen führt zu steigenden Preisen bei einigen Lebensmitteln. Auch ihre CO2-Bilanz ist weitaus schlechter als gedacht. Durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von Ackerflächen für den Biotreibstoff wird vermehrt der Regenwald in Brasilien abgeholzt. Die Gesamtbilanz kann de facto dadurch negativ sein, wie Forscher des Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung herausfanden.
Ethanol-Forschung
Die Alge gehört wie Biomasse zur zweiten Generation der Biokraftstoffe, weil sie nicht als Nahrungsmittel verwendet wird. Diverse Firmen arbeiten derzeit daran, Algen als Biokraftstoff zu nutzen. Das Öl wird dabei aus den Pflanzen herausgepresst und aufbereitet. Auch Forscher sind von der Energiepflanze überzeugt: Die potentiellen Erträge aus Algen sind bis zu 100-mal höher im Vergleich mit klassischen Ölsaaten. Die Gewinnung von Biokraftstoffen aus Algen steht jedoch erst am Anfang, weil das Ethanol erst durch ein energieaufwendiges Destillierungsverfahren entsteht.
Wissenschaftler am Labor des US-Energieministeriums arbeiten derzeit an einem noch weniger beackerten Forschungsgebiet: einer Algenart, die Wasserstoff herstellen soll. Die Algenzucht hat den Vorteil, dass der chemische Prozess durch ein Enzym ausgelöst wird und nicht destilliert werden muss. Größtes Manko der Tests ist bisher der schlechte Wirkungsgrad. Laut Auskunft des Chemikers David Tiede ist die Entwicklung noch in einem Anfangsstadium. Die Ausbeute müsste auf fünf bis zehn Prozent steigen, damit sich die Herstellung rentiert.
Revolution des Klimaschutzes
Algen können nicht nur als klimafreundlicher Treibstoff dienen, sie speichern darüber hinaus langfristig CO2. So könnte selbst der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull seine positive Seite haben. Die Vulkanasche enthält Eisensalze, die Algen zum Blühen bringen. Genau an diesen Salzen mangelt es normalerweise auf der Oberfläche der Ozeane. Bei einem früheren Vulkanausbruch konnten Geophysiker der Universität Hamburg bereits einen Zusammenhang mit der Algenblüte in Alaska feststellen.